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Deutsch in der Schweiz –
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Liebe Leserinnen und Leser

Mit dem kalten Dezemberwind weht der letzte Newsletter des Jahres 2025 der Geschäftsstelle fide in Ihren Posteingang. Lehnen Sie sich zurück, schlürfen Sie an Ihrem heissen Tee, Punsch oder Glühwein, essen Sie einen Weihnachtskeks und geniessen Sie die Lektüre.

Diese spannenden Themen aus dem fide-Universum erwarten Sie: 

  • Exklusives Interview mit Katja Felder, Absolventin Bachelor of Arts in Sprachlicher Integration.
  • Einblicke in das Austauschtreffen für andragogische Leitungen
  • Eindrücke des Team-Events 2025 der Geschäftsstelle fide
  • Grusswort von Nelly Langenegger, Leiterin der Geschäftsstelle fide
  • Informationen zu den aktuellsten Workshops von fide

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Herzliche Grüsse
Ihr fide-Team

Interview mit Katja Felder, DaZ-Kursleiterin und Absolventin Bachelor Sprachliche Integration

Am 1. Oktober 2025 feierten 42 Absolvent:innen des Bachelorstudiengangs Sprachliche Integration der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ihren erfolgreichen Abschluss. Gemeinsam mit dem Staatssekretariat für Migration (SEM) verlieh die Geschäftsstelle fide den Preis für die beste Bachelorarbeit. Prämiert wurde die Abschlussarbeit von Katja Felder mit dem Titel «Ermittlung individueller Sprachbedürfnisse auf A1-Niveau: Ein Konzept für den DaZ-Unterricht». Die Arbeit überzeugte mit viel Innovationskraft, Praxisnähe und gesellschaftlicher Relevanz.

Im Interview gibt uns Katja Felder Einblicke in ihren Werdegang, den Entstehungsprozess ihrer Abschlussarbeit, und liefert Tipps, wie arbeitsbezogene Sprachförderung in den Unterricht integriert werden kann.

Interview mit Katja Felder, DaZ-Kursleiterin und Absolventin Bachelor Sprachliche Integration

Die Diplomfeier des Bachelors Sprachliche Integration ist nun einige Zeit her. Wie war dieser Abend für dich?

Es war für mich ein ganz schöner Abend. Es ist schon aussergewöhnlich, wenn man prämiert wird und hört, wie jemand anders die eigene Arbeit beschreibt. Ich habe den Moment sehr genossen.

Dein beruflicher und akademischer Werdegang startete in der Naturwissenschaft. Wie kam es zu deinem Wechsel in die Sprachwissenschaft?

Ich habe viele Interessen und tat mich deshalb schwer mit der Studienwahl. Nach einem naturwissenschaftlichen Weg und drei Jahren Arbeit im Labor merkte ich, dass mir im Beruf der Kontakt zu Menschen fehlt. Als ich den Studiengang Sprachliche Integration entdeckte, war ich sofort begeistert. Dank Teilzeitmodus konnte ich weiterhin bei der Lonza in Visp tätig sein. Diesen Sommer bin ich zurück in meine Heimat Zug gezogen und unterrichte nun ausschliesslich Deutsch als Zweitsprache. Ich weiss auch noch nicht genau, wo mich meine Zukunft hinbringt und ob die Naturwissenschaft irgendwann wieder eine Rolle darin spielt. Im Moment gefällt mir die Tätigkeit im sprachlichen Bereich sehr.

Der Titel deiner Bachelorarbeit lautet «Ermittlung individueller Sprachbedürfnisse auf A1-Niveau – ein Konzept für den DaZ-Unterricht». Wie bist du auf dieses Thema gekommen?

Ich gab einen allgemeinsprachlichen Deutschkurs in Saas-Fee. Bald nach Kursstart wurde klar, dass alle sieben Teilnehmenden für den Beruf Deutsch lernen wollten. Nur zwei von sieben wollten auch für den Alltag Deutsch lernen. Auf dieses Bedürfnis wollte ich unbedingt in jenem Kurs eingehen, denn zurzeit gibt es keine weiteren Kursangebote im Saastal und Visp liegt für die Leute zu weit weg. Auch ist es nur selten möglich, Aufbaukurse anzubieten. Um die sprachlichen Bedürfnisse im Unterricht adressieren zu können, waren jedoch zusätzliche Informationen der Teilnehmenden nötig. Es stellte sich mir die Frage, wie ich zu diesen Informationen komme, wenn es an einer gemeinsamen Sprache fehlt. Da ich keine geeignete Methode für eine Bedürfnisanalyse auf Anfänger-Sprachniveau finden konnte, kristallisierte sich die Idee für eine Methoden- und Konzeptentwicklung als Bachelorarbeit heraus. Es war für mich eine wahnsinnig spannende und wertvolle Erfahrung.

Was hast du mit deiner Arbeit genau untersucht?

Ich habe meine Teilnehmenden gebeten, Fotos von beruflichen Situationen zu machen, in denen sie sprachliche Unterstützung brauchen – oder, wenn das Fotografieren im Arbeitsalltag nicht möglich war, passende Bilder aus dem Internet zu suchen. Mit diesen Bildern habe ich individuelle «Fotointerviews» geführt, in denen die Lernenden ihre Bedürfnisse schildern konnten, auch wenn die sprachliche Ausdrucksfähigkeit begrenzt war. Um die Verständigung zu erleichtern, habe ich teilweise für mich Wörter in ihrer Muttersprache notiert. Anschliessend habe ich analysiert, wie sich diese Bedürfnisse sinnvoll in den bestehenden Unterricht und die Strukturen des Lehrwerks integrieren lassen, um beruflich relevante Inhalte gezielt einzubauen.

Gab es etwas, was dich im Prozess überrascht hat?

Ich war positiv überrascht, wie gut sich die ermittelten Bedürfnisse in die bestehenden Lehrbuchkapitel integrieren liessen – viele nützliche sprachliche Strukturen waren bereits vorhanden.

Wird dein Konzept bereits angewendet?

Die Veröffentlichung ist ganz frisch, deshalb habe ich erst wenige Rückmeldungen. In Saas-Fee gibt es zurzeit keine Kurse, da ich umgezogen bin und noch keine Nachfolgerin oder kein Nachfolger gefunden werden konnte. Gerade in Tourismusregionen und abgelegenen Gebieten mit begrenztem Kursangebot hat das Konzept meiner Meinung nach besonderes Potenzial. Ich bin gespannt, ob Schulen Elemente daraus übernehmen.

Was empfiehlst du Lehrpersonen, die arbeitsbezogene Sprachförderung integrieren möchten, aber wenig Vorbereitungszeit haben?

Ich würde empfehlen, Bedürfnisanalysen direkt im Unterricht einzubauen – etwa indem man während Arbeitsphasen einzelne Lernende befragt. Eine gelungene Integration der ermittelten Bedürfnisse in den Unterricht erfordert jedoch immer zusätzliche Vorbereitungszeit und hängt stark vom Setting ab: Arbeitet man mit Lehrbuch oder frei? Welche Materialien stehen bereits zur Verfügung? Auch institutionelle Vorgaben spielen eine Rolle. Bedürfnisorientierung sinnvoll umzusetzen ist anspruchsvoll, gerade da Bedürfnisse auch individuell und somit unterschiedlich sind. Eine durchdachte Einbettung in den Unterricht ist wichtig, auch um die Kursteilnehmenden nicht zu überfordern. Den eigenen Aufwand kann man zum Beispiel reduzieren, indem man die Teilnehmenden ihren eigenen Wortschatz in den Unterricht mitbringen lässt. Das stärkt auch die Autonomie. Ideen dazu finden sich in meiner Arbeit.

Wie geht es für dich nach dem Abschluss weiter?

Ich lasse mich, was das angeht, von meinem Bauchgefühl leiten. Ich weiss, dass sich meine Interessen in den nächsten Jahren verändern können, deshalb halte ich mir bewusst verschiedene Möglichkeiten offen. Ich fände es sehr spannend, weiter praxisorientiert zu forschen, weiss aber nicht, ob sich dafür wieder eine Möglichkeit ergibt. Praxisforschung durch Lehrpersonen halte ich für besonders wertvoll, weil sie direkt zeigt, wie theoretische Ansätze wirklich im Unterricht umgesetzt werden können.

Möchtest du der Leserschaft noch etwas mitgeben?

Für mich ist der Austausch unter Lehrpersonen zentral. Wir können so viel voneinander lernen und Erfahrungen austauschen. So entwickeln wir uns gemeinsam weiter.

 

An der gesamtschweizerischen Tagung für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer 2026 (GCHT) an der Universität Fribourg wird Katja Felder den Workshop «Ermittlung individueller Sprachbedürfnisse auf A1 Niveau – ein Konzept für den DaZ-Unterricht» leiten.  

Teamausflug Geschäftsstelle fide 2025: Ein Abenteuer auf dem Eis

Der jährliche Ausflug der Geschäftsstelle fide war dieses Jahr eine sportliche Angelegenheit. Die Aktivität war als Überraschung geplant, weshalb die fide-Mitarbeitenden in den Tagen vor unserem Ausflug darüber rätselten, was genau wir machen. Am 11. Dezember wurde das Geheimnis schliesslich gelüftet. Wir wagten uns aufs Glatteis und spielten Plausch-Curling. Das Curling hat sehr viel Spass gemacht und wir lernten viel über diese interessante Sportart.

Als Stärkung nach dem Curling gab es im Restaurant Caledonia ein Apéro mit anschliessendem Pasta-Plausch.

Wir hatten eine tolle Zeit!

Teamausflug Geschäftsstelle fide 2025: Ein Abenteuer auf dem Eis

Andragogisches Austauschtreffen

Unser jüngstes Austauschtreffen für andragogische Leitungen bot einen lebendigen Rahmen für Austausch, Vernetzung und gemeinsame Reflexion. Nach einem kurzen Input zum Rollenverständnis der andragogischen Leitungen teilten die Teilnehmenden ihre Erfolgsgeschichten, Herausforderungen und Best Practices. Im Open-Space am Nachmittag wurden aktuelle Themen weiter vertieft. Der Halbtag zeigte einmal mehr, wie wertvoll diese Begegnungen für die Stärkung der Rolle und die Qualität der fide-Kursangebote sind.

Andragogisches Austauschtreffen
Aktuelle Workshops

Aktuelle Workshops

Samstag, 24. Januar 2026 / 09:00 – 17:00 Uhr
Institutionelle Vorgaben, Lehrwerk und szenariobasierter Unterricht gleichzeitig jonglieren, wie geht das?
mit Christian Kessler, Kursleiter DaZ, Prüfer fide-Test, langjähriger fide-Experte

Durchführungsort: Zürich

Dieser Workshop hat die Antwort!

Sie arbeiten direkt mit Ihrem eigenen Unterrichtsmaterial und dem Konzept Ihrer Institution. Es wird angeschaut, wie sich Grund- und didaktische Prinzipien von fide darin wiederfinden oder sinnvoll integrieren lassen. Sie analysieren Ihr Lehrwerk und entwickeln konkrete Ideen, wie Sie Elemente der Szenario-Didaktik in Ihren Unterricht einbauen können. Ihre Ideen werden anschliessend in der Gruppe besprochen. Durch diesen Austausch profitieren Sie von den Erfahrungen, Perspektiven und Ideen der anderen Teilnehmenden. Sie geben und erhalten Rückmeldungen, die dabei helfen, Ihren Unterricht weiterzuentwickeln. So entsteht ein gemeinsamer Lernraum, in dem Sie Ihre eigene Praxis reflektieren, erweitern und mit neuer Sicherheit in die Umsetzung gehen können.

Anmeldung

Anmeldefrist: 4. Januar 2026


Samstag, 25. April 2026 / 09:00 – 17:00 Uhr
Bühne frei für die spielerische Erarbeitung von Sprachverwendung und Szenarien – von der Basisarbeit bis zum Rollenspiel
mit Martin Ackermann, Erwachsenenbildner, langjähriger Kursleiter DaZ, Dozent fide-Modul FZD, Schauspieler und Sprecher

DurchführungsortGeschäftsstelle fide, Haslerstrasse 21, 2008 Bern 

Kommunikation entsteht, wenn Stimme, Körper und Gegenüber zusammenspielen. Theater ist dabei eine der ursprünglichsten Formen des Ausdrucks: Es lädt ein, in Rollen zu schlüpfen, Geschichten erlebbar zu machen und innere Blockaden zu lösen. Im Workshop tauchen wir ins Spiel ein. Wir testen, wie wir mit gezielter Vorbereitung die Neugier und Spiellust der Teilnehmenden aktivieren und optimieren den Einsatz der eigenen Stimme. Wir arbeiten mit Körper- und Raumübungen, nutzen Elemente der Improvisation und entdecken spielerische Zugänge, die das Lernen erleichtern und vertiefen. Gemeinsam probieren wir Übungen aus und entwickeln Ideen, wie sie konkret im Unterricht umgesetzt werden können. 

Anmeldung

Anmeldefrist: 12. April 2026


Wenn Sie sich nach den Anmeldefristen noch für einen Workshop anmelden möchten, dann schreiben Sie bitte ein E-Mail an daniela.knecht@fide-info.ch


Alle Workshops für 2026 finden Sie auf unserer Website.

 

Grusswort von Nelly Langenegger, Leiterin der Geschäftsstelle fide

Liebe Leserinnen und Leser

Als ich im Mai in Hamburg ein Foto von einem kleinen Schlepper machte, der ein imposantes Containerschiff sicher in den Hafen führt, wurde mir bewusst, wie treffend dieses Bild für unsere Arbeit an der Geschäftsstelle fide ist. Auch wir bewegen uns täglich in einem grossen, komplexen Umfeld – und dennoch sind es oft die unscheinbaren, präzisen und verlässlichen Beiträge vieler Einzelner, die dafür sorgen, dass alles in die richtige Richtung gelenkt wird.

Für diese Zusammenarbeit, für die Energie und für das Vertrauen möchte ich Ihnen allen herzlich danken. Ob in Kursräumen, Prüfungsinstitutionen, in der Beratung, in Gremien unterschiedlicher Natur oder in kantonalen und nationalen Administrationen und Strukturen: Sie tragen dazu bei, dass Menschen in der Schweiz sprachlich ankommen und gesellschaftlich oder beruflich Fuss fassen können.

Gemeinsam haben wir auch dieses Jahr wieder viel bewegt. Vieles blieb konstant anspruchsvoll, manches wurde neu entwickelt, anderes optimiert – und überall zeigte sich: Nur durch koordiniertes Ziehen am gleichen Strick erreichen wir unsere Ziele.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Teams erholsame Festtage, einen guten Jahresabschluss und Zuversicht für das neue Jahr. Möge 2026 für uns alle ein Jahr sein, in dem wir weiterhin verlässlich navigieren, mutig Kurs halten und gemeinsam sichere Wege durch unbekannte Gewässer finden.

Mit herzlichen Grüssen

Nelly Langenegger
Geschäftsführerin Geschäftsstelle fide

Grusswort von Nelly Langenegger, Leiterin der Geschäftsstelle fide
Ein grosses Dankeschön!

Ein grosses Dankeschön!

Wir hoffen, dass Ihnen das Lesen dieses Newsletters Freude bereitet hat und danken ganz herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.

Die nächste Ausgabe unseres Newsletters erscheint im Frühling. Doch bis dahin  wünschen wir Ihnen eine angenehme und besinnliche Weihnachtszeit sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr 2026! 

Geschäftsstelle fide
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